Dienstag, 31. Juli 2012

Es heißt "MS DEUTSCHLAND"!

Was gab das für einen Wirbel. An der Londoner Themse liegt derzeit DAS Traumschiff schlechthin, repräsentiert dort die deutsche Olympiamannschaft. Doch kurz vor Beginn der Olympischen Spiele dann der Eklat: Der Kapitän Andreas Jungblut ging aus Protest von Bord des „MS Deutschland“, weil die Reederei Deilmann, mit Sitz in Neustadt in Ostholstein, das Schiff nach den Spielen unter maltesischer Flagge in See stechen lassen wollte. Sogar der Bundespräsident mischte sich in diese Diskussion ein und forderte das Beibehalten der Deutschen Flagge. Das Veto Joachim Gaucks (und nicht nur jenes) zeigt offensichtlich Erfolg.

„Angesichts des großen Interesses an der Flagge unseres Traumschiffes DEUTSCHLAND haben wir heute entschieden, von dem vorgesehenen Flaggenwechsel abzusehen und die DEUTSCHLAND unter Deutscher Flagge zu belassen“, heißt es in einer Erklärung der Reederei, die seit dem Jahr 2010 zu 95 Prozent der Aurelius AG gehört. Zuvor musste die Reederei Peter Deilmann Insolvenz anmelden. Allerdings fordern die beiden Geschäftsführer Konstantin Bissias und Andreas Demel auch Unterstützung bei all jenen ein, „die sich so nachdrücklich für die Deutsche Flagge eingesetzt haben“ und die Reederei auch bei der Bewältigung der Konsequenzen dieser Entscheidung unterstützen. Interessant. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Reederei bzw. die Holding darauf drängt, die Reduzierung der Fördermittel von 1,5 Millionen Euro um mindestens 80 Prozent rückgängig zu machen. Ein Verbleiben in der deutschen Flagge angesichts anstehender Tilgungen an die Banken in Höhe von ca. 6 Millionen Euro sowie angesichts eines operativen Verlustes von ca. 1,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2011 nicht länger finanzierbar. Sollte dies also nicht passieren, droht eine „überproportionale Erhöhung der Preise“.
Gewonnen ist noch gar nichts, auch wenn es so erst einmal so aussieht. Wer sich die Pressemitteilung aufmerksam durchliest, wird darin keinen Verweis finden, dass das Schiff künftig weiter unter Deutscher Flagge fahren wird. Gut möglich ist, dass die gesamte Prozedur wiederholt wird, wenn sich die Gemüter beruhigt haben und die deutsche Olympiamannschaft nach den Spielen wieder in der Heimat abgeliefert wurde. Anderweitige Beteuerungen sollten mit Vorsicht genossen werden.
Im Grunde ist dies auch verständlich. Eine Reederei muss wirtschaftlich arbeiten. Um die Gesellschafter glücklich zu stimmen, muss der höchstmögliche Betrag erwirtschaftet werden, Verluste sind nur schwer zu verkraften. Kosten entstehen oder fallen in der Schifffahrt vorallem mit der Flagge. Fährt ein Schiff unter deutscher Flagge, müssen steuerliche Aspekte beachtet werden und auch die Crew muss tariflich bezahlt werden. Und alles natürlich bei gleichbleibend hoher Qualität für die zahlungskräftige Kundschaft. Wird die deutsche Flagge eingeholt und eine s.g. Billigflagge aufgezogen, kann bei den Kosten natürlich kräftig gespart und bei gleichbleibenden Einnahmen selbstverständlich auch der Profit für den Eigner maximiert werden.
Nun kann sich jeder sein eigenes Bild machen, wohin die Reise geht.