Freitag, 24. August 2012

Der kranke Killer

Anders Behring Breivik, der vor über einem Jahr in Norwegen 77 Menschen - darunter viele Jugendliche - umgebracht hat, muss nur ins Gefängnis. Damit ist diesem kranken Hirn doch noch ein Erfolg gelungen. Das Gericht stellte keine Geistesstörung fest, was wieder einmal zeigt, dass der gesunde Menschenverstand und geltendes Recht offensichtlich sehr weit voneinander getrennt sind. Und das nicht nur in Deutschland.

Für Breivik wäre es die größtmöglichste Niederlage gewesen, wäre er bis an sein Lebensende in einer Psychiatrie untergebracht worden und als kranker Mensch "abgestempelt" worden. Er ist kein gewöhnlicher Krimineller, der mal eben ein Blutbad anrichtete. Natürlich ist er ein Mörder. Aber wer sich dermaßen in politischen Hass steigert, bei dem fehlen ein paar Windungen im Kopf. 

Wer den Fall auch nur ein wenig interessiert verfolgt hat, konnte sich die Taktik der Verteidigung ausrechnen. Der Mann, der nicht nur Norwegen verstörte, zog seine fürchterliche Show auch vor Gericht ab und nutzte diese Plattform zur Darstellung seiner kranken Ideen. Wieder bekommt der ganz normale Mensch das Gefühl, Täter genießen vor Gericht doch immer wieder einen besonderen Schutz.

Anders Behring Breivik ist also zurechnungsfähig. Ein ziemlich kranker Gedanke, dass das Gericht dem vorgezeigten Weg des Mörders folgte.

Freitag, 17. August 2012

Free Pussy Riot!

Die russische Regierung hat wieder einmal gezeigt, wie sehr sie der Demokratie huldigt. Das Strafmaß, welches heute im "Prozess" gegen die drei jungen Damen aus Moskau verkündet wurde, zeigt, wie große die Angst der konservativen Russen vor den Andersdenkenden ist. Das russische Recht knechtet drei Künstlerinnen.

Die Bilder, die heute im Fernsehen gezeigt wurden, zeigen aber auch, das Putins Gefolgsleute sich sehr viel von den Nazis abgeschaut haben. Stichworte sind Schauprozess, Darstellung des Urteils und auch das Strafmaß und die mögliche Art und Weise, wie die Damen ihre "Strafe" absitzen müssen. Über zwei Stunden schwaffelte die Richterin über die Vergehen der Band. Blumig wurden die Vergehen ausgeweidet, die angeklagten Frauen wurden regelrecht vorgeführt. Besser hätten es Himmler & Co. auch nicht machen können. Pussy Riot droht ein "sibirisches KZ", Führung nach feinster Nazi-Art. Hitler hätte seinen Spaß.

Dies ist aber nur die eine schlimme Seite der russischen "Demokratie", die immer mehr der der Nazis in der Zeit von 1933 bis 1945 ähnelt. Die Russen haben mit Putin einen Führer, dessen Ego größer als das Land ist, welches er regiert. Wer das Recht seines Landes dermaßen biegt, dass es ihm noch mehr Macht verschafft, ist kein Demokrat sondern ein Diktator. Einer, der mit Stalin, Hitler oder Ceausescu gleichzusetzen ist. Oder Assad.

Immer wieder aber kommt mir das Kotzen, wenn ich daran denke, dass unserer Ex-Kanzler, der rote Gerhard Schröder, Freund Putin als "lupenreinen Demokraten" bezeichnet. Wenn diese Demokraten Wahlverlierern lukrative Posten in russischen Öl-Konzernen vermitteln, weiß man die Worte Schröders besonders zu schätzen.

Gegen Putins Russland, bzw. gegen das, was er mit seiner Macht angerichtet hat, muss man vorgehen und protestieren. Vor Putin sollte man keine Angst haben!

Sonntag, 12. August 2012

Fernab jeder Realität

86 Medaillen sollten die deutschen Athleten von den Olympischen Spielen aus London mit nach Hause bringen, 28 davon aus Gold. Jau! In Peking waren es 41 Medaillen, die die deutschen Sportler gewannen, vier Jahre später sollten es mehr als das Doppelte sein. Natürlich, lieber Innenminister und lieber DOSB-Präsident Thomas Bach, machen die anderen Nationen den deutschen Sportlern Platz beim Laufen, öffnen die Tore und lassen sich freiwillig aufs Kreuz legen. 

Werte Funktionäre, werte Politiker. Es ist Zeit, den Sportlern wieder das Feld zu überlassen. Nehmt Euch zurück, kümmert Euch darum, dass die Sportler Leistung bringen können. Schafft die Möglichkeiten, damit der deutsche Sport wieder erfolgreich sein kann. In anderen Nationen klappt das doch auch. 

Doch dazu wird es nicht kommen, denn die Herrschaften, die den deutschen Sport organisieren und managen, sind selbstverliebt und selbstherrlich und drehen sich ihre eigene Wahrheit. Beispiel DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. In einem ARD-Interview relativiert er die Zielvorgabe von vor vier Jahren als "Ausloten der Potenziale". Es sei albern, 28 Goldmedaillen vorherzusagen. Soso... Vorgaben und Vereinbarungen sind - nach der Denkweise Vespers - zwei vollkommen verschiedene Dinge. Das ist großer Blödsinn und dummes Funktionärsgequatsche. Wer eine Vereinbarung abschließt, ist in der Bringepflicht. Geld gegen Medaillen. Und weil die Verbände dieses Spielchen mitspielen müssen, kamen unrealistische Zahlen dabei heraus.

Innenminister Friedrich findet es gut, dass der Sport keine Kürzungen der finanziellen Mittel hinnehmen musste. Dabei geht es nicht um Kürzungen, sondern es geht um die Aufstockungen der Mittel. Offensichtlich hat die Politik die positive Wirkung sportlicher Erfolge noch nicht erkannt. Dabei genügt ein Blick nach Amerika. Dort sind erfolgreiche Sportler wahre Helden, der einfache Bürger identifiziert sich mit den Stars. Nebenbei reagiert die Werbewirtschaft entsprechend, der Sportler kann sich voll auf die kurze Karriere konzentrieren.

In unserem Land werden die sportlichen Helden zwar auch geliebt, doch können sie sich meist nicht hundertprozentig auf den Sport konzentrieren. Ausbildung oder Beruf müssen sein, um über die Runden zu kommen. Robert Harting, charismatischer Olympiasieger im Diskuswerfen, denkt so an Rücktritt, weil Sport und Ausbildung "brutal" seien und auf Dauer nicht machbar sei. Und so könnte der deutsche Sport eine wichtige Figur verlieren, weil einmal mehr die Rahmenbedingungen fehlten. Oder ist dies sogar gewollt, weil Harting unbequem ist und so ein Querdenker von der Bildfläche verschwinden würde? Möglich wäre es bei diesen Funktionären schon.

Es muss sich etwas bei der Förderung des Sports in Deutschland tun. Die Gelder müssen anders verteilt werden, vom System, abhängig von Platzierungen und Medaillengewinnen (welches von den Sportverbänden sowieso nur bedingt akzeptiert wird), muss sich abgekehrt werden. Es muss breiter und intensiver gefördert werden: Natürlich mit Geld, aber auch mit Zugeständnissen in Ausbildung und Beruf. Dann klappt es vielleicht auch mal mit den Zielvorgaben. 

Freitag, 10. August 2012

Der Staat als Hehler

Und wieder kauft NRW eine Steuer-CD, um Sünder zu überführen. Keine Frage, wer seine Steuern nicht im entsprechenden Maße an den Staat abführt, macht sich strafbar. Schließlich werden von dem Geld nicht nur Politikergehälter und Waffen für Drittstaaten bezahlt oder Rettungsschirme über Europa gespannt, sondern auch soziale Projekte gefördert oder Subventionen für junge Familien erstellt. Doch heiligt der Zweck die Mittel?

Was die NRW-Landesregierung derzeit wiederholt macht, erfüllt den Strafbestand der Hehlerei. Im § 259 des Strafgesetzbuches steht unter Punkt 1: "Wer eine Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Und um nichts anderes handelt es sich doch in diesem Falle. Schweizer Banker klauen Daten ihrer Kunden und verkaufen diese an Kunden, die damit ihr Steuersäckel füllen. Klaue ich im Elektronikfachmarkt einen Plasma-Fernseher (wenn ich es denn überhaupt schaffe) und verkaufe diesen dummerweise an einen Polizisten (der Fachausdruck ist wohl "vom Laster gefallen"), macht mich "mein" Staat so richtig rund. 

Warum darf der Staat so etwas tun? Können Steuersünder dagegen vorgehen? Ist es nicht auch so, dass illegal besorgte Informationen unter gewissen Umständen vor Gericht keine Gültigkeit haben, oder schaue ich zu viele amerikanische Fernsehserien?

Aus diesem Land soll einer klug werden... Er setzt sich über seine eigenen Gesetze hinweg, um Gesetzesbrecher zu überführen.

Freitag, 3. August 2012

Update: Nicht nur der DOSB hat versagt

Nadja Drygalla. Nun hat die deutsche Olympiamannschaft ihren "Nazi"-Skandal. Der DOSB kann von Glück reden, dass der Frauen-Achter blamabel abschnitt und nicht noch nach einer Medaille gefeiert wurde - was wäre DAS erst für ein Skandal gewesen.

Mir drängen sich viele Fragen auf. Etwa die, warum die Ruderin überhaupt in der Nationalmannschaft bleiben durfte, obwohl sie im vergangenen Jahr aus der Sportfördergruppe der Polizei ausschied und auch ihre Ausbildung bei der Polizei beendete. Verständigen sich die Sportoberen nicht unter einander? Das Ausscheiden hatte offensichtlich ebenfalls mit dem Fakt zu tun, dass Drygalla private Kontakte in die rechte Szene besaß.

Nadja Drygallas steht "zu den Werten der Olympischen Charta und den in der Präambel der DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen". Das ist unsinniges und unverbindliches Funktionärsgequatsche! Offensichtlich hat Drygalla kein klares Bekenntnis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit abgegeben, sonst hätte dies Chef de Mission Michael Vesper  auch so den Pressevertretern wiedergegeben. Offensichtlich wurde die London-Delegation davon vollkommen überrascht.

Drygalla hat einen Lebensgefährten, der der rechten Szene zu geordnet wird. Das setzt wenigstens eine Tolerierung des Tuns voraus. Der DOSB hat in meinen Augen im Vorfeld der Spiele versagt. Diese Anschuldigungen (die der NDR allerdings schon im vorigen Jahr öffentlich gemacht haben soll) sind für den betroffenen Menschen schlimm, egal ob die Vorwürfe stimmen oder nicht. Eine junge Frau wird nun den Medien zum Fraß vorgeworfen. Was haben der Verein, der Landesverband und auch das Innenministerium in diesem einen Jahr getan, seit die Geschichte erstmals öffentlich gemacht wurde? Warum ist es innerhalb der Rudertruppe ein offenes Geheimnis, dass Drygalla mit einem Nazi liiert ist? Auch weil der DOSB eine Verantwortung gegenüber seinen Sportlern hat, hätte vor den Spielen diese Sportlerin geschützt werden müssen und ihr die Teilnahme versagt bleiben müssen.

Mit ihren 23 Jahren weiß Drygalla, was sie tut, sie ist für ihr Handeln voll verantwortlich. Sie braucht sich nicht über den heftigen Gegenwind zu wundern. Sie steht auf dem Siegerpodest, singt die Nationalhymne und sammelte bis vor wenigen Wochen noch die allumfassende Unterstützung des Staates ein, den ihr Lebensgefährte auf einer anderen Ebene bekämpft. Da hätte es Konsequenzen bedurft. Aber wahrscheinlich wurden alle Annehmlichkeiten des Systems mitgenommen, von Drygalla sowieso, von ihrem Lebensgefährten aber auch. Die Sportlerin wollte sich nicht in ihre privaten Dinge reinreden lassen, sie muss sich nicht wundern, dass sie nun die Konsequenzen dafür tragen muss. Mich würde es nicht wundern, wenn sie künftig eine Ikone der Neonazis sein wird.

Niemand will Verantwortung in diesem Fall übernehmen. Alle sportlichen und sportpolitischen Stellen, die in diesem Fall Entscheidungen treffen mussten, halten sich nun zurück. Wie wäre es mit etwas Zivilcourage?