Donnerstag, 20. Dezember 2012

Was für ein Rechtssystem

Und wieder dreht sich dem Menschen mit normalen Verstand der Magen um. Die obersten Richter Deutschlands haben verfügt, dass Ergebnisse von Massengentests, die indirekt auf den Täter schließen könnten, nicht mehr Verwendung finden. Deutet die DNA auf einen Verwandten als möglichen Täter hin, darf diese Spur nicht weiter verfolgt werden. 

Ich frage mich, was dann diese Tests zur Täterbestimmung und - suche, noch bringen sollen. Eigentlich sind DNA-Tests dazu gedacht, Verbrecher, Mörder oder Vergewaltiger zu schnappen. Und wenn dies nicht auf dem direkten Wege passiert, dann eben auf dem Umweg, bestimmte DNA-Spuren zu verfolgen.

Wieder einmal werden die Belange der Opfer erst in zweiter Linie berücksichtigt. Mögliche Täter werden geschützt, die Ermittlungsarbeit der Behörden zusätzlich erschwert. Das deutsche Rechtssystem wird somit wieder ein Stück mehr zu einem Unrechtssystem, welches die Täter schützt und die Opfer zusätzlich peinigt.

Manchmal mag man nur noch schreien.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Ein Ami ohne Waffen

Ein Ami ohne Waffen - vorstellbar? Nach dem Massaker von Newtown sind die Vereinigten Staaten einigermaßen entsetzt. Unschuldige kleine Kinder wurden zu Opfern, auch Lehrerinnen, die die Kleinen beschützen wollten. Erste Reaktionen der Waffen-Lobbyisten lassen uns Europäer nur mit dem Kopf schüttelt: Wären die Lehrer bewaffnet gewesen, hätte der Killer keine Kinder ermordet. Solche kruden Gedanken können nur Menschen äußern, die mit dem Thema "Waffenbesitz ist vollkommen normal" aufgewachsen sind. Weil der US-Amerikaner ein Recht auf eine Waffe hat (und sich womöglich auch gegen Waffenträger verteidigen muss), braucht er eine Knarre. Auch in einer Grundschule. Logisch.

Die Waffenlobby der Amerikaner, die National Rifle Association, tut jetzt übrigens genau das Richtige und zeigt sich wohl erstmals einsichtig: "Die NRA ist bereit, bedeutsame Zugeständnisse zu machen, damit so etwas nie wieder passiert", heißt es in einer Erklärung. Selbst Präsident Obama hat scharfe und klare Worte gefunden. Aber was sind diese Wert?

Spätestens in drei Wochen redet kaum jemand mehr über Newtown, genauso wie es nach Littleton, Virginia Tech oder anderen Ballereien gewesen ist. Automatische Sturmgewehr gehen weiter über den Ladentisch - die braucht man ja auch zur Selbstverteidigung. Das Recht, eine Waffe zu besitzen, ist in den USA wichtiger als der Schutz von Menschen. 

Aber vielleicht ist ja diesmal wirklich etwas anders: Die NRA musste sich zu diesem Massaker öffentlich äußern, indem sie das sinnlose Gemetzel an kleinen Kindern geißelte. Selbst der härteste NRA-Lobbyist hat keine Argumente, warum es Sinn machen sollte, jedem Amerikaner seine Knarre zu belassen.

Update 22. Dezember:

Tja, da war ich wohl etwas zu optimistisch. Die NRA will die "bösen Menschen mit Knarren von guten Menschen mit Knarren stoppen". Die haben DOCH immer noch Argumente. Nun ja, es geht in Ami-Land wieter wie bisher.

Aber das "böse-Menschen-Knarren-gute-Menschen-Knarren"-Ding ist doch der Hammer. 

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Demokratie ist nicht kopierbar

In Ägypten geht gerade der "arabische Frühling" zu Ende. Knapp zwei Jahre nachdem sich die Menschen in Algerien, Tunesien oder eben auch Ägypten gegen die veralteten und verkrusteten Machtstrukturen aufgelehnt haben, geht dieser Freiheitsgedanke wieder zu Grunde.

In Ägypten zeigt sich - leider - dass die Demokratie, nach wessen Vorstellungen auch immer, nicht so einfach zu übertragen sind. Präsident Mursi hat sich, im Sinne eines Diktators, Rechte eingeräumt, fast möchte man sogar sagen, er hat sie sich genommen. Für die Menschen, die vor fast zwei Jahren Mubarak stürzten, muss dies wie ein Schlag ins Gesicht wirken. 

Es ist eine andere, für uns Europäer, wenig vorstellbare Kultur, ein komplett anderes Verständnis von Recht und Gesetz, weswegen wir uns nur ein kleines, sehr eingeschränktes Bild machen können. Die Mentalität der Menschen kennen wir aus dem Urlaub und dann "sollten die das mit der Demokratie auch hinbekommen". Offensichtlich ist dies aber nicht der Fall. Man muss schon sehr tief in das Wesen der Ägypter eintauchen, ihre Geschichte verstehen und sich wohl auch ein wenig mit dem Glauben auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Menschen, die Mächtigen und auch die religiösen Vereinigungen bewegt und antreibt.

Demokratie nach Art eines Mursis wird die jungen, aufbegehrenden Leute wieder auf die Straße treiben - was auch schon geschehen ist. Ist die freiheitliche Bewegung in Nord- und Ostafrika vielleicht doch noch nicht am Ende?