Freitag, 3. August 2012

Update: Nicht nur der DOSB hat versagt

Nadja Drygalla. Nun hat die deutsche Olympiamannschaft ihren "Nazi"-Skandal. Der DOSB kann von Glück reden, dass der Frauen-Achter blamabel abschnitt und nicht noch nach einer Medaille gefeiert wurde - was wäre DAS erst für ein Skandal gewesen.

Mir drängen sich viele Fragen auf. Etwa die, warum die Ruderin überhaupt in der Nationalmannschaft bleiben durfte, obwohl sie im vergangenen Jahr aus der Sportfördergruppe der Polizei ausschied und auch ihre Ausbildung bei der Polizei beendete. Verständigen sich die Sportoberen nicht unter einander? Das Ausscheiden hatte offensichtlich ebenfalls mit dem Fakt zu tun, dass Drygalla private Kontakte in die rechte Szene besaß.

Nadja Drygallas steht "zu den Werten der Olympischen Charta und den in der Präambel der DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen". Das ist unsinniges und unverbindliches Funktionärsgequatsche! Offensichtlich hat Drygalla kein klares Bekenntnis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit abgegeben, sonst hätte dies Chef de Mission Michael Vesper  auch so den Pressevertretern wiedergegeben. Offensichtlich wurde die London-Delegation davon vollkommen überrascht.

Drygalla hat einen Lebensgefährten, der der rechten Szene zu geordnet wird. Das setzt wenigstens eine Tolerierung des Tuns voraus. Der DOSB hat in meinen Augen im Vorfeld der Spiele versagt. Diese Anschuldigungen (die der NDR allerdings schon im vorigen Jahr öffentlich gemacht haben soll) sind für den betroffenen Menschen schlimm, egal ob die Vorwürfe stimmen oder nicht. Eine junge Frau wird nun den Medien zum Fraß vorgeworfen. Was haben der Verein, der Landesverband und auch das Innenministerium in diesem einen Jahr getan, seit die Geschichte erstmals öffentlich gemacht wurde? Warum ist es innerhalb der Rudertruppe ein offenes Geheimnis, dass Drygalla mit einem Nazi liiert ist? Auch weil der DOSB eine Verantwortung gegenüber seinen Sportlern hat, hätte vor den Spielen diese Sportlerin geschützt werden müssen und ihr die Teilnahme versagt bleiben müssen.

Mit ihren 23 Jahren weiß Drygalla, was sie tut, sie ist für ihr Handeln voll verantwortlich. Sie braucht sich nicht über den heftigen Gegenwind zu wundern. Sie steht auf dem Siegerpodest, singt die Nationalhymne und sammelte bis vor wenigen Wochen noch die allumfassende Unterstützung des Staates ein, den ihr Lebensgefährte auf einer anderen Ebene bekämpft. Da hätte es Konsequenzen bedurft. Aber wahrscheinlich wurden alle Annehmlichkeiten des Systems mitgenommen, von Drygalla sowieso, von ihrem Lebensgefährten aber auch. Die Sportlerin wollte sich nicht in ihre privaten Dinge reinreden lassen, sie muss sich nicht wundern, dass sie nun die Konsequenzen dafür tragen muss. Mich würde es nicht wundern, wenn sie künftig eine Ikone der Neonazis sein wird.

Niemand will Verantwortung in diesem Fall übernehmen. Alle sportlichen und sportpolitischen Stellen, die in diesem Fall Entscheidungen treffen mussten, halten sich nun zurück. Wie wäre es mit etwas Zivilcourage?