Nun hat alles ein Ende. Und dieses Ende soll für Jan Ullrich auch einen Neuanfang bedeuten. Ich hoffe, diesem außergewöhnlichen Radsportler gelingt es auch. "Ulle" hat mich immer fasziniert, natürlich auch, weil er aus Rostock kommt. Oft habe ich die Gelegenheit gehabt, mit seinem Trainer und Entdecker Peter Sager zu sprechen und war stets fasziniert, wenn Sager über seinen Schützling redete.
Jan Ullrich wurde vom CAS, dem internationalen Sportgerichtshof für zwei Jahre gesperrt. Der CAS sah es als erwiesen an, dass Jan Ullrich sich durch den Kontakt und die "geschäftlichen" Beziehungen zum Doping-Arzt Fuentes des Dopings schuldig gemacht hat. Das Urteil ist vollkommen richtig und war zu erwarten, nachdem vor wenigen Tagen Alberto Contador aufgrund der gleichen Problematik gesperrt wurde.
Jan Ullrich hat in einer Stellungnahme den Kontakt zu Fuentes zugegeben und beteuert, Fehler gemacht zu haben. Entscheidungen, die er vor Jahren fällte, würde er heute so nicht mehr fällen. Mehr allerdings nicht.
Ullrich beklagt, dass sich das ganze Verfahren über viele Jahre in Länge zog und dass ihm das sehr zugesetzt hat. Diese Äußerung ist nicht nachzuvollziehen, denn es lag ja auch an Ullrich selbst, dass sich dieses Verfahren in die Länge zog. "Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden. Auf Anraten meiner Anwälte und wie es in solchen Fällen üblich ist, habe ich zu den Vorwürfen geschwiegen", schreibt Jan Ullrich auf seiner Homepage. Dieses Verhalten zeigt gamz deutlich, wie einfach es heute ist, Fehler zu machen, diese aber auf dem kurzen Weg zu korrigieren. Vieles geht heute nicht mehr ohne Anwälte, die sich an den guten und bösen Menschen eine goldene Nase verdienen.
Was bleibt? Jan Ullrich geht leicht ramponiert aus dieser Affäre raus. Er hat seine Karriere beendet, hat mit Alpecin ("Doping nur für die Haare") einen neuen Partner gefunden, der ihn in achen Radsport unterstützt. Ullrich will sich in der Zukunft auf die Nachwuchsförderung konzentrieren - was sicherlich ein guter Weg ist. Die Erfahrungen im Kampf mit dem Doping kommen ihm dabei sicherlich zu Gute. Seine Schützlinge werden sauber bleiben.
Für den Radsport besteht die Hoffnung, dass sich diese faszinierende Sportart in den Griff bekommt und den Betrügern das Handwerk gelegt wird. Wer jemals eine Tour de France-Etappe vor Ort erlebt hat, kann sich nur schwer dieser besonderen Atmosphäre entziehen. Und so wird mir Jan Ullrichs Ritt im Einzelzeitfahren nach L'Alpe D'Huez, im Jahre 2004, immer in großartiger Erinnerung bleiben. Jan Ullrich selbst ist - trotz des halben Dopinggeständnisses - für mich immer noch ein außergewöhnlicher Sportler. Schließlich hat er immer glaubhaft versichert, niemals andere Sportler betrogen zu haben. Logisch, oder?