Sonntag, 26. Februar 2012

Gauck wird unser aller Präsi

Jetzt soll es also Joachim Gauck sein. Mürrisch ist die Kanzlerin auf den Erpressungsversuch von FDP-Rösler eingegangen. Weichen wir kurz vom Thema ab: Dies zeigt zwei Dinge ganz deutlich: 1. Die "Installation" eines neuen Bundespräsidenten war wieder nur im Rahmen der parteipolitische Interessen geplant. Des Volkes Wille interessierte dabei nicht. Dank einer FDP ohne Rückgrat aber musste Frau Merkel sich aber dem Willen beugen. Wie gewohnt, wurde diese Niederlage, die die Kanzlerin niemals vergessen wird, als Sieg verkauft. 2. Die FDP hat ihr Fähnchen rechtzeitig wieder in den Wind gehalten. So versucht das gelbe Lager, wieder mehr Prozente zu erhaschen. Der Wähler sollte dies nicht vergessen, mit der FDP ist in diesem Land nichts zu holen. Wenn irgendwer den Liberalen vier Prozent Wähler mehr versprechen würde, würden die sogar blaue Erdbeeren und Schwarz-Weiß-Fernsehgeräte verkaufen. Das dazu.

Nun also Joachim Gauck. Der Stasijäger. Nachdem sich der Großteil der Berliner Volksvertreter auf den Kandidaten geeinigt haben, um ihn bei der Bundesversammlung am 18. März im ersten Wahlgang durchzubringen, trällerte nun die Linke. Klar, dass eine Partei, in der die Aufarbeitung des DDR-Unrechts stets anders betrachtet wird, als von anderen Parteien, mit Gauck ein Problem hat. Und will eine Nazi-Jägerin ins (aussichtslose) Rennen schicken.

Über Gauck wurde sich in der ersten Woche der "Vor-Bundespräsidenten-Ära" mächtig viel aufgeregt: Sarrazin-Sympathisant, Occupy-Kritiker und vor allem getrennt lebend, aber neu liiert - so einer kann nicht "unser aller Bundespräsident" werden. Doch alles wurde nur halb so heiß gegessen, wie es gekocht wurde. Zitate, teilweise aus dem Zusammenhang gerissen, teilweise stark eingekürzt, sollten wohl für Verwirrung sorgen. Doch nach einer Woche und dem Hinrücken der entsprechenden Aussagen, grollen nur noch die Linken mit dem Kandidaten.

Ruhe täte der ganzen Debatte richtig gut, nachdem der Herr Wulff (er nahm die Einladung zum Zapfenstreich sicherlich gern an) abgedankt hat. Für ein unterhaltsames Theater sorgen die Parteien von grün bis schwarz mit ihren Einschätzungen zur derzeitigen Verfassung der Regierungskoalition  von ganz allein.