Der Drogeriekette geht es ganz schlecht. Offensichtlich hat der Preiskampf um günstige Windeln, Damenbinden und Rasierer ein prominentes Opfer gefordert. Das kommt in der Marktwirtschaft immer mal vor und ist für einen großen Betrieb mit vielen Beschäftigten bedauernswert. Stutzig macht aber der Fakt, dass die Gewerkschaften bereits vor einigen Wochen von der Konzernführung auf die drohende Pleite hingewiesen wurden. Es soll ein Plan erstellt werden, wie Schlecker noch gerettet werden kann. Wie das aussieht ist klar: Filialen schließen, Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Aber was passiert mit den leitenden Mitarbeitern, denen, die diese Pleite zu verantworten haben? Was passiert mit der Familie Schlecker, die über viele Jahre einen Reichtum (ich habe gelesen rund drei Milliarden Euro) verdient hat?
Es wäre nur legitim, wenn Familie Schlecker sich mit dem verdienten Geld auch an der Rettung des Unternehmens beteiligen müsste. Schließlich wurden die Verkäuferinnen jahrelang "ausgelutscht" und haben dafür gesorgt, dass der Familie Schlecker die Goldtaler nur so zuflossen. Aber damit ist nicht zu rechnen. Einerseits glaube ich nicht, dass das deutsche Recht so etwas zulässt. Andererseits ist auch nicht zu erwarten, dass die Schleckers etwas von ihrem schwer "verdienten" Reichtum abgeben. So ist das mit der Gier...
Grundsätzlich aber stimmt etwas im Umgang mit dem großen Geld nicht. Gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten, wird über Einsparungsmaßnahmen nachgedacht. In erster Linie trifft es die kleinen Mitarbeiter: Kostenlose Mehrarbeit, Lohnverzicht im zweistelligen Prozentbereich. Doch was passiert in den Führungsetagen? Werden den Managern die Boni gestrichen, die diese (meist) am Jahresende zum üppigen Gehalt einstreichen? Es liegt doch an den s.g. "Führungskräften" und ihren Fehlentscheidungen, dass es in den Unternehmen kriselt. Verzichten die Aktionäre auf ihre Dividende, um das Unternehmen zu retten? Wohl nicht. Mit Personalabbau wird meist der falsche Weg beschritten bzw. es geht nicht um die Gesundung der Firma sondern um Gewinnmaximierung.
Dies zieht sich durch die vielen Bereiche der Wirtschaft und betifft nicht nur den Drogeriemarkt. Gleiches gilt für den Automobilbau, die Stahlindustrie, Zeitungsverlage oder sämtliche andere Zweige. Die fetten Zusatzzahlungen an die leitenden Mitarbeiter, die oftmals mit Fehleinschätzungen als mit Fachkompetenz glänzen, sind doch der eigentliche Grund für Krisen in den Unternehmen.