Mittwoch, 2. März 2011

Er ist weg

Die Lichtgestalt der deutschen Politik ist weg. Der Stern am Politikhimmel (vorerst) erloschen. Der Heilsbringer erledigt, der Strahlemann im Abseits, die Hoffnung am Ende. Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg tritt von seinem Amt als Bundesverteidigungsminister zurück und läßt alle politischen Ämter ruhen. 

Gut so. KT war, trotz aller Sympathiewerte, in dieser Position nicht mehr zu halten. Und trotzdem kommt dieser Schritt zu spät. KT hat es versäumt, rechtzeitig seine Konsequenzen zu ziehen. Neben den Fehlern in Sachen Doktorarbeit, wurde ihm auch das zu lange Festhalten am Minister-Job zum Verhängnis. Ein gefundenes Fressen für SPD, Grüne & Co.

Recht schwammig klang die Rücktrittsrede Guttenbergs. All das, was ihn als Verteidigungsminister ausgezeichnet hat, ließ er vermissen. Die größte Schuld an seinem Rücktritt tragen andere. Politikergewäsch eben. Einen Fehler eingestehen ist das eine, absolute Konsequenz das andere. Hinzu kommt, "Fehler eingestehen" und eine "Entschuldigung" reichen offensichtlich nicht. Die Vorwürfe wiegen einfach zu schwer, Betrug und geistiger Diebstahl sind auch in Politikerkreisen keine Bagatellen.

Und nun? Welche Konsequenzen hat der Rücktritt im Super-Wahljahr? Was passiert mit der Bundeswehrreform? Was macht die Koalition, was wird die Opposition anstellen? Guttenberg wird eine politische Auszeit nehmen und in absehbarer Zeit wieder auf die politische Bühne zurückkehren. Auch wenn die Oppositionsparteien, die jetzt mit Häme und Spot reagieren, dann wieder mit Dreck um sich werfen werden. KT bleibt der Plagiator. 

Beachtlich ist derzeit noch seine Beliebtheit. Auf drei relevanten Facebook-Seiten steigen die "Gefällt mir"-Bekundungen nahezu im Sekundentakt. Ob KT es schafft, diese Werte über einen längeren Zeitraum zu halten? Oder droht ihm jetzt gar die absolute Entzauberung?

Apropos: Eine Biografie erschien just am gestrigen Tag, an dem KT seinen Rücktritt bekannt gab. Lesen oder nicht? Nach dem Studium des Buches kann die Person Guttenberg sicherlich deutlich differenzierter betrachtet werden. Gute Lektüre für Gegner und Fans.