86 Medaillen sollten die deutschen Athleten von den Olympischen Spielen aus London mit nach Hause bringen, 28 davon aus Gold. Jau! In Peking waren es 41 Medaillen, die die deutschen Sportler gewannen, vier Jahre später sollten es mehr als das Doppelte sein. Natürlich, lieber Innenminister und lieber DOSB-Präsident Thomas Bach, machen die anderen Nationen den deutschen Sportlern Platz beim Laufen, öffnen die Tore und lassen sich freiwillig aufs Kreuz legen.
Werte Funktionäre, werte Politiker. Es ist Zeit, den Sportlern wieder das Feld zu überlassen. Nehmt Euch zurück, kümmert Euch darum, dass die Sportler Leistung bringen können. Schafft die Möglichkeiten, damit der deutsche Sport wieder erfolgreich sein kann. In anderen Nationen klappt das doch auch.
Doch dazu wird es nicht kommen, denn die Herrschaften, die den deutschen Sport organisieren und managen, sind selbstverliebt und selbstherrlich und drehen sich ihre eigene Wahrheit. Beispiel DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. In einem ARD-Interview relativiert er die Zielvorgabe von vor vier Jahren als "Ausloten der Potenziale". Es sei albern, 28 Goldmedaillen vorherzusagen. Soso... Vorgaben und Vereinbarungen sind - nach der Denkweise Vespers - zwei vollkommen verschiedene Dinge. Das ist großer Blödsinn und dummes Funktionärsgequatsche. Wer eine Vereinbarung abschließt, ist in der Bringepflicht. Geld gegen Medaillen. Und weil die Verbände dieses Spielchen mitspielen müssen, kamen unrealistische Zahlen dabei heraus.
Innenminister Friedrich findet es gut, dass der Sport keine Kürzungen der finanziellen Mittel hinnehmen musste. Dabei geht es nicht um Kürzungen, sondern es geht um die Aufstockungen der Mittel. Offensichtlich hat die Politik die positive Wirkung sportlicher Erfolge noch nicht erkannt. Dabei genügt ein Blick nach Amerika. Dort sind erfolgreiche Sportler wahre Helden, der einfache Bürger identifiziert sich mit den Stars. Nebenbei reagiert die Werbewirtschaft entsprechend, der Sportler kann sich voll auf die kurze Karriere konzentrieren.
In unserem Land werden die sportlichen Helden zwar auch geliebt, doch können sie sich meist nicht hundertprozentig auf den Sport konzentrieren. Ausbildung oder Beruf müssen sein, um über die Runden zu kommen. Robert Harting, charismatischer Olympiasieger im Diskuswerfen, denkt so an Rücktritt, weil Sport und Ausbildung "brutal" seien und auf Dauer nicht machbar sei. Und so könnte der deutsche Sport eine wichtige Figur verlieren, weil einmal mehr die Rahmenbedingungen fehlten. Oder ist dies sogar gewollt, weil Harting unbequem ist und so ein Querdenker von der Bildfläche verschwinden würde? Möglich wäre es bei diesen Funktionären schon.
Es muss sich etwas bei der Förderung des Sports in Deutschland tun. Die Gelder müssen anders verteilt werden, vom System, abhängig von Platzierungen und Medaillengewinnen (welches von den Sportverbänden sowieso nur bedingt akzeptiert wird), muss sich abgekehrt werden. Es muss breiter und intensiver gefördert werden: Natürlich mit Geld, aber auch mit Zugeständnissen in Ausbildung und Beruf. Dann klappt es vielleicht auch mal mit den Zielvorgaben.