Sonntag, 25. März 2012

MHD - noch Fragen?

Meine Mutti hat schon mit mir gemeckert, wenn ich die Eier, direkt vom Bauern im Dorf, gleich nebenan, bereits nach einer Woche in die Tonne gekloppt habe. Sie drohte mir mit der Einstellung der Lieferungen, wenn ich mein Konsumverhalten nicht ändern würde. Das habe ich mittlerweile getan, Eier lagern jetzt schon etwas länger in meinem Kühlschrank. Dieser kleine  Disput - und meine Mama wurde damals richtig böse - kommt mir dieser Tage immer wieder mal in den Sinn, wenn ich die Debatte um das Mindesthaltbarkeitsdatum verfolge. Die Bundesregierung bzw. Verbraucherministerin Ilse Aigner hat sich das Ziel gesetzt, die Deutschen aufzuklären: Mindesthaltbarkeitsdatum heißt nicht gleich Verfallsdatum.

Das sollte den Verbrauchern klar sein, denn der Name sagt eigentlich schon alles. 1981 eingeführt, kommt die Aufklärungskampagne im Jahre 2012 über 30 Jahre zu spät, Deutschland ist offensichtlich zu satt geworden. Jetzt nimmt das Aigner Ministerium viel Geld in die Hand, um die Kühlschränke sinnvoller zu leeren und den Einkauf intelligenter zu gestalten. Schließlich wirft jeder Bürger rund 82 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. 

Das MHD ist wie vieles in der deutschen Rechtsprechung: Schwammig. Die Butter, die Wurst oder der Käse können schlecht sein, müssen es aber nicht. Manchmal öffnet man einen Joghurt der noch drei Tage vom MHD entfernt ist, doch Pilzkulturen machen sich bereits breit. Klappt ja prima... Also ist das MHD eigentlich Blödsinn, weil viele Verbraucher eben Wurst, Käse und Fleisch nach Ablauf des aufgedruckten Datums, in die Tonne werfen. 

Statt einer teuren Kampagne, müsste es eine Gesetzesänderung gebe, die klare Richtlinien für den Verkauf und Verbrauch von Lebensmitteln absteckt. Doch Ilse Aigner hat sich für die populistischste aller Lösungen entschieden, die aller Wahrscheinlichkeit in wenigen Tagen bedeutungslos verpuffen wird.