In den vergangenen Tagen gab es eine Diskussion um den Hafturlaub für lebenslänglich verurteilte Schwerverbrecher. Im Raum steht, den Knastbrüdern bereits nach fünf Jahren einen ersten Hafturlaub zu gewähren. Natürlich nur bei guter Führung. Der normale Bürger ist überrascht, dass es so etwas überhaupt gibt. Ich war immer der Meinung, ein Schwerverbrecher, der wegen Mordes, Vergewaltigung, Raub oder Kidnapping im Gefängnis sitzt, wird damit auch bestraft. Oder sollte es zumindest werden. Dass es "Bonuspunkte" für ein anständiges Benehmen hinter Gittern gibt, die quasi ab einem bestimmten Zeitpunkt einzulösen sind, wusste ich nicht.
Allein die Diskussion um diese Möglichkeit ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und zeigt, dass das System in dem wir leben, krank ist. Der Fall "Lena", der die Öffentlichkeit derzeit aufwühlt, zeigt das wieder einmal. Anstatt dafür zu sorgen, dass kranke Menschen vor der Menschheit geschützt werden, wird mit der Gefahr sehr sorglos umgegangen. Das Ergebnis ist ein grausames Verbrechen an einem unschuldigen Mädchen, welches mit sehr großer Wahrscheinlichkeit noch hätte am Leben sein können, wenn die entsprechenden Stellen in den Behörden richtig reagiert hätten. Allein unter diesem Gesichtspunkt verbietet sich die Diskussion um den Hafturlaub eigentlich von selbst.
Fast habe ich den Eindruck: Jeder Falschparker wird rigoroser verfolgt, jeder Zahlungsverzug konsequenter bestraft. Der Staat und die Behörden sollten für den Bürger da sein und ihm keine Steine in den Weg legen. Wichtiger ist aber wohl, dass unfähige Beamte und Behördenmitarbeiter "Kraft ihres Amtes" walten können. Die Comedyserie "Baumann & Clausen" sehe ich gelegentlich als Realsatire an. So absurd das Büroleben dort auch dargestellt wird, ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies voll aus dem Leben gegriffen ist.
Hinzu kommt die fehlende Feinsinnigkeit der Politiker. In diesen Tagen überhaupt das Thema "Hafturlaub" an die Öffentlichkeit zu zerren, ist für mich eine Frechheit sondergleichen. Die Volksvertreter entfernen sich immer weiter vom Volk. Offensichtlich wollen sich die Parteihinterbänkler auf Kosten von Reizthemen profilieren.