Udo Lindenberg ist (mal) wieder da - eigentlich war er ja nie wirklich weg. Im Osten wurde der schräge Deutschrocker schon immer verehrt, im Westen wurde er geduldet und für seine Attacken gen Honni geliebt. Jetzt tourt Udo durch die Lanfe und begeistert die Massen. Ausverkaufte Hallen, zweieinhalb Stunden Panik auf der Bühne. Er ist nicht mehr taufrisch, die Ideen gelegentlich schon irgendwie mal da gewesen - und dennoch geht es ab.
Lindenberg würde es bei jeder Castingshow nicht mal in den Recall schaffen, Dieter Bohlen würde kein gutes Haar an Stimme, Ausstrahlung und Performance lassen - Udo Lindenberg "steht da richtig drüüüüüühüber". Er hat das Deutsch-Nuscheln salonfähig gemacht, redet Klartext und schert sich einen Scheiß um seine Kritiker. Wer soviel Erfolg hat, wer so viel für die deutsche Musiklandschaft und auch für das deutsche Volk getan hat, den kann Dieter Bohlen am Tüffel tuten. Und er macht sein Ding...
Die neue Lindenberg-Show bietet nur wenig Neues und ist dennoch ein Erlebnis. Immer wieder. Udo kommt im Zeppelin auf die Bühne (was soll nach dem Raumschiff nun noch kommen?), startet mit "Odyssee", "Mein Ding" und "Boogie Wooie Mädchen" und hat gleich in den ersten zehn Minuten den Grundstein für eine großartige und unterhaltsame Show gelegt. Es folgen seine Hits, ein paar ältere Songs, die in Vergessenheit geraten sind, aber aufgrund aktueller Ereignisse an Bedeutung gewonnen haben (Höllenfahrt) und ein paar Circuseinlagen (nicht der Udo) um auch mal Durchschnaufen zu können. Udo bedient sich ungeniert bei den Stones, kopiert das Bühnenbild der Bridges-to-Babylon-Tour, spart aber für das Akustik-Set in der Menge die lange Brücke für den Übergang. Stattdessen bahnt er sich mit Bodyguard und Panik-TV-Team den Weg durch die Massen und sieht nach drei Minuten nicht unbedingt glücklich aus. Er pöbelt in Richtung Putin, geißelt die Politik für ihr Verhalten zu Syrien und bringt seinen immer noch währenden Frust auf Erich Honecker zum Ausdruck. Er weiß, dass er damals zum Spielball der DDR-Regierung geworden ist und offensichtlich tut es ihm immer noch weh. Lindenberg schwelgt oft in der alten Zeit - auch wenn er sich wiederholt, langweilig ist es nicht.
Und dennoch tobt das Volk zum "Sonderzug", tanzt zu "Honky Tonky Show" und himmelt seinen Gesangspartner Clueso beim "Cello" an, welches allerdings durch die Gitarrenversion etwas an Reiz verliert. Zwischendurch dödelt Udo über die Bühne, tänzelt in altbekannter Manier von hinten nach vorn und freut sich darüber, dass durch das "Unplugged-Album" die junge Hörerschaft Bauklötzer staunt, wie cool der Opa doch sei, der da mit Frieda Gold, Jennifer Rostock und eben diesem Clueso singt. So ist das eben, wenn man mit einem vier Jahre alten Album und einer perfekt umgesetzten Knalleridee eine Tour im Jahre 2012 startet. Grandios.
Udo Lindenbergs Konzerte waren vor über 20 Jahren schon ein Erlebnis, sie sind es heute immer noch und werden es wohl auch noch in zehn Jahren (dann ist Udo L. stolze 75 Jahre jung) sein. Bis dahin sollten noch zwei, drei Platten folgen. Bitte!