Er geht einfach nicht und klebt an seinem Amt. Christian Wulff bleibt trotz seiner Verfehlungen weiter Bundespräsident. Damit richtet Wulff einen unheimlichen Schaden an. Es ist eine Frechheit, wenn Wulff arrogant behauptet, er habe nie an einen Rücktritt gedacht. Diese Worte werden ihm wohl noch um die Ohren gefeuert werden.
Wenn so ein Mensch sich dreht und windet, Parlamente täuscht und Pressevertretern droht, ist er für das Amt des Bundespräsidenten einfach nicht tragbar. Egal, wie wichtig dieses Amt ist. Schlimmer noch: Die politischen Entscheidungsträger, die Wulff vor Weihnachten noch den Rücken gestärkt haben, ihm aber unmissverständlich klar gemacht haben, dass eine weitere Verfehlung im Rahmen der Kreditaffäre, seinen Rücktritt zur Folge haben müsste, kippen wieder um.
Wie soll man den Menschen vermitteln, Mitglieder der verschiedensten Parteien zu wählen, wenn die gewählten Volksvertreter in ihren Ämtern die Unwahrheit sagen dürfen, wenn sie täuschen und drohen dürfen und alles ohne Konsequenzen bleibt. Wulff war vor Weihnachten quasi auf Bewährung Bundespräsident. Diese Bewährung hat er verwirkt. Er sollte gehen. Wenn ein "im wahren Leben" auf Bewährung verurteilter Mensch seine Auflagen nicht erfüllt, wird er endgültig zur Rechenschaft gezogen. Für Wulff zählt so etwas nicht. Er macht weiter, wie gehabt - als Staatsoberhaupt.
Wulff hat sich mit der Bild-Zeitung angelegt, die in diesem Falle auffällig unauffällig verhalten hat. Offensichtlich sammelte Bild-Chef Kai Dieckmann nur die Munition, steckte diese anderen Schützen zu, um nicht als "Wulff-Jäger" und "Mörder" in Erscheinung zu treten. Wie naiv ist der Typ eigentlich? Bild hat mit Sicherheit schon die nächsten Fehltritte von Wulff im Magazin... Mit der Bild-Zeitung legt man sich nicht so einfach an. Das haben schon andere zu spüren bekommen.
Wulff wird gehen müssen. Die Beteuerungen im ARD/ZDF-Interview (warum konnte Wulff eigentlich die Bedingungen bestimmen, ist der Bundespräsident nicht allen Deutschen verpflichtet?) sind so halbherzig und weichgespült. Die Aussagen kommen von einem Mann, der weiß, das seine Zeit abgelaufen ist und sich hoffnungslos an sein Amt klammert. Honecker, Mielke und Co. waren vor 20 Jahren auch solch jämmerliche Gestalten.
Deutschland braucht keinen Wulff. Fast möchte man meinen, Deutschland braucht auch keinen Bundespräsidenten. Ein Amt, welches mit 200000 Euro im Jahr überbezahlt ist und keinen wirklichen Wert besitzt, ein Amt, für das der Steuerzahler ewig blechen muss, weil dieses Gehalt auf Lebenszeit gezahlt wird. Zynische Menschen meinen, Wulff sei nur ein "Grüßonkel der Nation".
Wulff behauptet, ein Bundespräsident muss die "Dinge so im Griff haben, dass einem das nicht passiert" und versucht es auf der menschlichen Schiene. Er hat sich und die Dinge eben NICHT im Griff gehabt. Und deshalb sollte er jetzt gehen. Der heutige Tag hat nur aufschiebende Wirkung. Mehr nicht.