Sonntag, 4. Dezember 2011

Gute Unterhaltung

Oh je, jetzt kriegen wir Til Schweiger auch noch am Sonntag Abend. Kleinohrblödsinn und Zweikopfschwachsinn nicht genug, jetzt wird der nuschelnde Schauspieler, den nahezu jede Frau nicht von der Bettkante stoßen würde, auch noch Tatortkommissar. Es reicht. Schweiger ist einfallslos, die Geschichten in seine Filmen ähneln sich stets, wahrscheinlich wird ab sofort im Tatort auch noch eine verquere Liebesgeschichte erzählt. Und wir dürfen uns wohl auf ein Wiedersehen mit seinen Töchtern freuen, irgendwie müssen die da doch auch auch noch untergebracht werden.

Schweiger war in den vergangenen Jahren zu oft mit seichter Unterhaltung präsent. Einmal lacht man noch drüber, beim zweiten Mal kommt es einem irgendwie bekannt vor und beim dritten Film kann man die Dialoge schon mitnuscheln und ahnt, wie sich die einzelnen Szenen und somit auch der gesamte Film entwickeln werden. Ich jedenfalls bin total satt von dem Typen.

Über "Wetten, dass..?" wurde in den vergangen Wochen viel diskutiert. Gottschalk hört auf, Kerkeling macht es nicht - doch wer kommt jetzt? Jeder darf sich ins Gespräch bringen, egal ob es passen würde oder nicht. Namen wie Carsten Spengemann (die "Elster" hat schon Erfahrung mit der Hunziker) oder die beiden Chaoten Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt will das Publikum nicht wirklich sehen. Wir erinnern uns an das Wolfgang-Lippert-Debakel, als der Zappelphilipp in den Jahren 1992 und 93 als "Quotenossi" neun Sendungen den Nachfolger für Gottschalk mimen durfte. Damit war es zugleich der Vorgänger von Thomas Gottschalk, denn das ZDF zog den in der DDR ausgebildetetn Entertainer wieder vom Bildschirm. Eine noch größere Katastrophe wäre Johannes B. Kerner. Der redet das Publikum mit seiner gespielten verständnissvollen Art und seinem wurstigen Dauerlächeln in den vorzeitigen Schlaf und wäre somit auch eine Gefahr für das "aktuelle Sportstudio" und den Spätfilm.

Das Rätselraten um die Nachfolge geht unterdessen weiter, die gebührenbezahlten ZDF-Verantwortlichen tun sich schwer, jemanden zu finden. Idealerweise wäre ein neues Konzept mit einem neuen Moderator der bessere Weg, die Show zu beleben und ihr damit eine Chance zu geben. Natürlich werden Stimmen zu hören sein, unter Gottschalk war alles besser. Aber Thoams Gottschalk ist eben ein Show-Dino und dem ZDF tut frisches Blut gut. Das Ansehen des Senders und der Samstagabend-Show hat durch die öffentliche Nachfolgesituation sowieso schon gelitten. Am Samstag führte Gottschalk zwar charmant durch die sendung, wirkte aber oftmals überfordert, hilflos und uninformiert. Karl Lagerfeld quasselte lieber mit Jessica Biel und interessierte sich nicht die Bohne für Gottschalk und seine Wetten, Til Schweiger saß auf dem Sofa so ruhig wie sonst nicht (und nahm doch ein Glas Sekt) und Maet Loaf verkaufte (und verschenkte) ungeniert seine neue CD. Das Stück Fernsehgeschichte, dass deutlich besser hätte sein können.

Es zeigt aber auch, dass die Entscheidungsträger machtlos gegen die TV-Lieblinge sind und oftmals den Bezug zum Zuschauer verloren haben und nur noch die Gebührengelder verwalten und aufteilen. In der Wirtschaft wird eher geräuschlos ein Nachfolger für einen ausscheidenden Mitarbeiter gesucht, selbst wenn er eine Führungsposition ist. In dieser Hinsicht haben die ZDF-Chefs total versagt und die Eigendynamik, befeuert von den Boulevardmedien, unterschätzt.