Samstag, 9. Juni 2012

Was Hansi Flicks Aussage so alles vermittelt

Natürlich gibt es wichtigere Dinge als den Fußball. Aber Europa wird derzeit von der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine beherrscht. Und nebenbei fallen die ulkigsten, skurrilsten oder verrücktesten Geschichten verbreitet. Gewollt und ungewollt.

DFB-Co-Trainer Hansi Flick ließ den Blätterwald am Freitag mit seiner "Stahlhelm-Aussage" gewaltig rauschen. Eine unbedachte Äußerung, die gerade im Gastgeberland Polen für einiges Unbehagen sorgte. Warum die rechte Hand von Jogi Löw diese Art der Ausdrucksweise wählte, ist mir gänzlich unklar. Noch nie hat sich auch der dusseligste Kicker mit 5er Hauptschulabschluss derartig über einen Freistoß geäußert. Dem lieben Hansi hier Boshaftigkeit oder fiese Manieren zu unterstellen, ginge wohl zu weit. 

Vielmehr denke ich, wollte Flick witzig wirken und etwas Neues kreieren. Das ist vollkommen daneben gegangen. Das er dabei der Fußballergilde einen Bärendienst erwiesen hat, wird ihm wahrscheinlich erst später klar. Flapsige und daher gerotzte Aussagen von Fußballspielern kommen immer wieder vor. Die "Field-Reporter" von Radio und Fernsehen verführen die Kicker gerade zum Dummschwätzen und Floskeln daher beten. Interviews direkt nach dem Spiel am Eingang zur Kabine sollen in der Regel Emotionen rüberbringen, doch in den vergangenen Jahren ist dies zur Phrasenschlägerei verkommen. "Wir haben unser Spiel gespielt, den Gegner kommen lassen und auf unsere Chancen gewartet" - so einen Blödsinn verzapfen Fußballer (und andere Sportler) kurz nach dem Abpfiff vor laufenden Kameras. Wobei sich die Antwortn an das Niveau der Fragen der "Field-Reporter" anpassen "Woran hats gelegen?" Tiefgang braucht man nicht erwarten.

Gibt es dann doch mal einen klugen Kicker, der in seinem Interview wirklich Klartext redet und Kritik übt (Philipp Lahm 2009), dann ist das Geschrei und die Empörung groß, Geldstrafen folgen. Fußballer sollen nicht denken, sondern spielen. Wer braucht schon elf breite Kreutze in seiner Mannschaft? Da passt es auch ins Bild, das FIFA und UEFA ihre Veranstaltungen möglichst politfrei gestalten wollen. Blatter, Platini & Co. mögen keine Negativschlagzeilen, wollen ohne Nebengeräusche ein großes Fest feiern. Gleiches gilt leider für die Olympischen Spiele. Das liegt vielleicht daran, dass sich das IOC schon einmal von den Nazis instrumentalisieren ließ und der Westen (1980) sowie der damalige Ostblock (1984) die Spiele gegenseitig boykottierten. Im Blick ist immer das Geschäft.

Und Hansi Flick? Nix, das Ganze ist schon morgen vergessen. Aber vielleicht denkt der Typ das nächste Mal nach, bevor er redet. Und nicht nur er.