Wir haben die Bauern wieder. Seit dem vergangenem Montag bringt Inka Bause auf RTL wieder die Bauern an die Frau oder mittlerweile auch an den Mann. Faszinierend gruselig. Genau wie die sonntägliche Sendung "Schwiegertochter gesucht". Beide Formate leben vom "Fremdschämen". Wartet der Zuschauer bei "Bauer sucht Frau" förmlich darauf, dass die - nennen wir sie mal Elli aus Hamburg - in den Kuhmist fällt, ist der Peinlichkeitsfaktor am Sonntag noch um einiges höher. Hier werden die heiratswilligen Junggesellen und Jungmänner regelrecht vorgeführt. Trottelige Männer werden von ebenso peinlichen Damen verführt. Vera Int Veen tut dann noch das Ihrige dazu.
Und dennoch verhält es sich so wie mit dem Verkehrsunfall, der den Vorbeifahrenden anwidert - hingeschaut wird aber trotzdem. Deshalb sind die Quoten für diese Formate so gut (Bauer sucht Frau: 7,98 Millionen = 25,7 Prozent, Schwiegertochter um die 5 Millionen). Der TV-Zuschauer ergötzt sich an den Männern, die sich zum Löffel machen, an den Josefs und Narumols, die via RTL ihr Liebesleben (nennt man es so?) zur Schau stellen.
Eigentlich ist es nichts weiter als Big Brother oder jede andere Gameshow. Das Fernsehen lockt, die 15 Minuten Ruhm, die jedem Menschen im Leben zustehen, wollen auch aufgebraucht werden. Was danach kommt? Egal. Nur die wenigsten bleiben der Öffentlichkeit erhalten, wenn auch nicht unbedingt nachhaltig. Mir fällt da diese Sabrina aus dem TV-Container ein. Die italienische Schönheit aus Staffel 10 nannte schon mal auf die Aufforderung, ein anderes Wort für Plastik zu nennen: "Gips - Noch ein anderes Wort für Plastik? - Tüte" oder die schon mal "Kohlensuppe" essen musste.
Doku-Soaps strahlen eben eine große Faszination aus, gerade weil - so sollte es sein - hier der Mensch ungefiltert und original daher kommt. Meist aber ist es dann der cleveren Arbeit des Cutters zu verdanken, dass aus 24 Stunden gähnend langweiligen Materials doch noch zehn Minuten "Action" herauskommen. Wenn das nicht hilft, muss eine besondere Show her. Und die bieten die Kandidaten uns Fernsehzuschauern dann doch immer wieder gern. Unterhaltung garantiert.