Mittwoch, 5. Dezember 2012

Demokratie ist nicht kopierbar

In Ägypten geht gerade der "arabische Frühling" zu Ende. Knapp zwei Jahre nachdem sich die Menschen in Algerien, Tunesien oder eben auch Ägypten gegen die veralteten und verkrusteten Machtstrukturen aufgelehnt haben, geht dieser Freiheitsgedanke wieder zu Grunde.

In Ägypten zeigt sich - leider - dass die Demokratie, nach wessen Vorstellungen auch immer, nicht so einfach zu übertragen sind. Präsident Mursi hat sich, im Sinne eines Diktators, Rechte eingeräumt, fast möchte man sogar sagen, er hat sie sich genommen. Für die Menschen, die vor fast zwei Jahren Mubarak stürzten, muss dies wie ein Schlag ins Gesicht wirken. 

Es ist eine andere, für uns Europäer, wenig vorstellbare Kultur, ein komplett anderes Verständnis von Recht und Gesetz, weswegen wir uns nur ein kleines, sehr eingeschränktes Bild machen können. Die Mentalität der Menschen kennen wir aus dem Urlaub und dann "sollten die das mit der Demokratie auch hinbekommen". Offensichtlich ist dies aber nicht der Fall. Man muss schon sehr tief in das Wesen der Ägypter eintauchen, ihre Geschichte verstehen und sich wohl auch ein wenig mit dem Glauben auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Menschen, die Mächtigen und auch die religiösen Vereinigungen bewegt und antreibt.

Demokratie nach Art eines Mursis wird die jungen, aufbegehrenden Leute wieder auf die Straße treiben - was auch schon geschehen ist. Ist die freiheitliche Bewegung in Nord- und Ostafrika vielleicht doch noch nicht am Ende?